Ankommen in der Krise
Fast vier Jahre humanitäre Hilfe in Tegel
Rückblick auf die Ankunfts- und Notunterbringungseinrichtung Tegel (2022–2025)
Ankommen in der Krise.
Drei Jahre humanitäre Hilfe in Tegel.
Drei Jahre humanitäre Hilfe in Tegel.

Rückblick auf die Ankunfts- und Notunterbringungseinrichtung Tegel (2022–2025).
Rund 110.000 geflüchtete Menschen aufgenommen, versorgt und weitervermittelt
Mit der Schließung der Ankunfts- und Notunterbringungseinrichtung auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel zum 31. Dezember 2025 endet ein außergewöhnliches Kapitel humanitärer Arbeit in Berlin.
Seit dem 20. März 2022 wurden in Tegel rund 110.000 geflüchtete Menschen aufgenommen, untergebracht, medizinisch versorgt, beraten und bundesweit weitervermittelt – so viele wie in kaum einer anderen Einrichtung in Deutschland.
Tegel entwickelte sich in kürzester Zeit zu einem Symbol für schnelle Hilfe, Solidarität und die enge Zusammenarbeit der Berliner Hilfsorganisationen.
Getragen vom Zusammenschluss „Wir helfen Berlin“ arbeiteten der Arbeiter-Samariter-Bund, das Deutsches Rotes Kreuz, die Johanniter-Unfall-Hilfe und der Malteser Hilfsdienst über Jahre hinweg mit dem gemeinsamen Ziel, Schutz und Perspektiven zu ermöglichen.

Bild: Anke Illing
Von der Pandemie zum Ankunftszentrum
Die enge Zusammenarbeit der Berliner Hilfsorganisationen hatte sich bereits während der Corona-Pandemie bewährt. In dieser Zeit betrieben ASB, DLRG, DRK, Johanniter und Malteser gemeinsam mehrere Impfzentren, darunter auch eins im Terminal C des ehemaligen Flughafens Tegel. Die dabei entwickelten Abläufe und Strukturen bildeten 2022 die Grundlage für den schnellen Aufbau der Ankunfts- und Notunterbringungseinrichtung.
Als der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine begann und Berlin kurzfristig große Aufnahmekapazitäten schaffen musste, konnten bestehende Flächen und Infrastrukturen auf dem ehemaligen Flughafengelände rasch umgenutzt werden.
Während im Terminal C noch Impfungen stattfanden, wurden im März 2022 bereits die ersten Geflüchteten im Hauptterminal aufgenommen. Mit dem Rückbau des Impfzentrums im Herbst 2022 stand das Gelände vollständig für Unterbringung, Registrierung und Versorgung zur Verfügung.
Tegel: Angebote wie in einer Kleinstadt
Über die Jahre entwickelte sich Tegel zu einem Ankunftszentrum im Maßstab einer Kleinstadt. Zu Spitzenzeiten lebten bis zu 5.500 Menschen gleichzeitig auf dem Gelände. Von Oktober 2022 bis Juli 2025 wurden zusätzlich Asylsuchende aus weiteren Herkunftsländern untergebracht. In Hochphasen arbeiteten bis zu 1.400 Mitarbeitende vor Ort, davon rund 730 aus den Berliner Hilfsorganisationen, unterstützt von mehr als 50 externen Partnern sowie zahlreichen Ehrenamtlichen.
Allein das zentrale Versorgungslager im ehemaligen Hangar umfasste über 6.000 Quadratmeter.
Tegel war dabei weit mehr als ein Ort der Unterbringung. Es entstanden Strukturen, die Orientierung, Stabilität und Alltag ermöglichten – in einer Situation, die für viele Menschen von Unsicherheit, Flucht und Verlust geprägt war.
Alltag, Schutz und Perspektiven
Tag für Tag wurde in Tegel daran gearbeitet, mehr zu bieten als ein Dach über dem Kopf. Pädagogische Fachkräfte begleiteten Kinder und Jugendliche in geschützten Lern- und Spielräumen und schufen spezielle Bereiche für Babys, Kleinkinder und alleinreisende Frauen.
Für ältere Kinder und Jugendliche standen vielfältige Kunst-, Musik- und Sportangebote zur Verfügung. Sprachkurse, Sprachcafés und Lernförderangebote unterstützten den Einstieg in Schule, Ausbildung und Arbeit.
Ein wichtiger Baustein für berufliche Perspektiven waren regelmäßige Jobmessen auf dem Gelände, die Geflüchtete direkt mit Unternehmen aus Pflege, Handwerk, Hotellerie und weiteren Branchen zusammenbrachten. Ergänzt wurde dies durch ein breites Beratungsangebot mit zahlreichen Partnerorganisationen, von Sozial-, Bildungs- und Arbeitsberatung über psychosoziale Unterstützung bis hin zu rechtlicher Beratung und Kinderschutz.
Tegel in Zahlen
Betrieb
Geflüchtete
Kinder und Jugendliche
Babys
Staatsangehörigkeiten
Tiere
Hilfeleistungen
Begleitungen
Windeln
Sprachmittlung
Ein Ort internationaler Aufmerksamkeit
Tegel war über die Jahre hinweg ein Ort internationaler Aufmerksamkeit. Delegationen aus Kanada, Frankreich, dem Irak und weiteren Ländern informierten sich vor Ort über die Berliner Aufnahme- und Versorgungsstrukturen.
Besonders in Erinnerung bleibt der Besuch von König Charles III. am 30. März 2023, begleitet von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der damaligen Regierenden Bürgermeisterin Franziska Giffey. Der König suchte gezielt das Gespräch mit neu angekommenen Geflüchteten und würdigte die Arbeit der Berliner Hilfsorganisationen.
Ein Einsatz, der bleibt
Mit der Schließung der Ankunfts- und Notunterbringungseinrichtung Tegel endet eines der prägendsten humanitären Projekte der vergangenen Jahre in Berlin. Alle Bewohnerinnen und Bewohner wurden bis Ende 2025 in andere Unterkünfte verlegt. Der Standort wird nun für künftige Aufgaben der Erstaufnahme neu ausgerichtet.
Der Einsatz in Tegel hat gezeigt, wie handlungsfähig Berlin in Ausnahmesituationen sein kann, wenn Hilfsorganisationen, Verwaltung und Zivilgesellschaft gemeinsam Verantwortung übernehmen.




